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Energie aus Planzen: Doppelte Flexibilisierung

In Wülfinghausen wurden Stromeinspeisung und Wärmenetz angepasst

Böen und Regenschauer fegen von Westen über die Hügellandschaft südlich von Hannover am Fuß des bis zu 400 Meter hohen Deisters. „Jetzt wird wieder mehr Wärme für die Heizungen abgenommen“, stellt Georg Tidow fest. Die Lufttemperaturen sind nach dem Dauersommer 2018 auf Herbstkurs.

„Uns lag schon immer am Herzen, dass man die Wärme nutzt“, berichtet Georg Tidow weiter. Der gelernte Land- und studierte Betriebswirt ist Betriebsleiter des Klostergutes Wülfinghausen, das zur Klosterkammer Hannover gehört. Sie ist auch der Hauptgesellschafter der Biogasanlage „Kleiner Deister“. An ihr sind außerdem drei örtliche Landwirte beteiligt, Tidow ist der Geschäftsführer. Gebaut wurde die Anlage im Jahr 2007, etwa 350 Meter vom Klostergut entfernt.

Drei Jahre nach der ersten Biogasproduktion und zwei Jahre nach Planungsbeginn speiste das Biogas-Bhkw erstmals seine Abwärme in das neu errichtete Wärmenetz für das Klostergut, das Kloster selbst sowie die zugehörige Streusiedlung. Aufgrund des damals hohen Heizölpreises war kaum Überzeugungsarbeit nötig. Außerdem legten Tidow und seine Mitbetreiber Wert auf einen kompetenten Planer. So wurde eine „Primärleitung“ vom Biogas-Bhkw zum Klostergut gelegt, wo sie in einen Pufferspeicher mit 55.000 Liter Volumen mündet. Der Speicher wurde in den ehemaligen Kuhstall eingebaut, durchstößt die Zwischendecke und reicht bis unter das Dach des historischen Gebäudes. Auch die Technikzentrale und die Wärmeverteilung befinden sich hier: Ein Strang versorgt das Herrenhaus des Gutes sowie die benachbarten Gebäude des eigentlichen Klosters, ein zweiter Strang führt zur Hofwerkstatt, zum Pflanzenschutzlager und zur Streusiedlung mit gut 20 Haushalten, der dritte Strang beliefert zwei Einzelhäuser auf der Rückseite des Gutes. Die Haushalte sind mit Übergabestationen ausgestattet. Diese installierten zwar die Betreiber, anschließen und bezahlen mussten sie aber die Abnehmer. Die Ölheizungen wurden damals abgeschafft, erntet werden. Das Getreide wurde von den umliegenden Äckern hierher zur Trocknung gebracht. „Warum mit Heizöl trocknen und dafür das Getreide auch noch ein paar Orte weiterfahren, wenn die Wärme doch hier vorhanden ist“, begründet Tidow die Inarbeiten erkennbar: Am Rand der Betonplatte zwischen Maissilo und Fermenter liegen zwei kleine Sandhügel, hinter dem Fermenter parken ein Radlader und ein Bagger, ein orangefarbener Bauschuttcontainer steht an der Seite. Die Fläche um die Bhkw- und Technik-Container sowie den Pufferspeicher ist frisch auf- geschoben. Das Grün des einen Containers ist schon etwas verblichen, die anderen leuchten denn mit der Biowärme sollte eine Vollversorgung gewährstallation des Bandtrockners in der Scheune …

Quelle: Fachmagazin Energie aus Planzen, Ausgabe 6-2018