Bau eines 5.000 m³ Großpufferspeichers für die Enser Biogas GmbH.
Kurzfassung – wichtigste Aussagen:
- Erneuerbare Energie aus der Region für die Region – Ense war früh Vorreiter mit Windkraft und Photovoltaik.
- Entstehung der Enser Biogas GmbH: gemeinsames Projekt von Landwirten und Industrie – aus Nähe und Vertrauen gewachsen.
- Standortwahl: bewusst im Industriegebiet, um Wärme direkt an die Galvanik- und Zinkerei-Betriebe zu liefern.
- 5.000 m³ Wärmespeicher sorgt für Stabilität, Effizienz und Flexibilität im Betrieb.
Teilnahme am Regelenergiemarkt – Biogas als wichtiger Baustein für Netzstabilität. - Ultraschall-Technologie (Ultrawaves) steigert Ertrag und senkt Verschleiß.
- Empfehlung: Wärmespeicher großzügig planen, um künftige Anforderungen zu meistern.
Mit dem Projekt in der Region Ense zeigen wir, wie innovative Technologien und flexible Speicherlösungen die Energiewende vorantreiben. Enser Biogas setzt damit Maßstäbe für nachhaltige und stabile Energieversorgung in der Region. Erfahren Sie im Interview mit Andreas Düser (Geschäftsführer der Enser Biogas GmbH und Co. KG) wie eine flexibilisierte Biogasanalage einen wesentlichen Beitrag zur erneuerbaren Stromerzeugung in der LEADER-Region leistet.
1) Wie alles begann – Pioniere in Ense
Frage: Herr Düser, wie ist die Biogasanlage in Ense entstanden, und was war die Motivation dahinter?
Antwort: Ense war schon früh eine Region, die auf erneuerbare Energien setzte. Bereits 1994 entstand hier ein Windpark – damals war das noch mutig und neu. Auch die Idee, gemeinsam Photovoltaikanlagen zu kaufen und zu betreiben, kam schon in den frühen 2000ern auf. Diese Aufbruchsstimmung hat uns Landwirte inspiriert: Wir wollten die Energiewende nicht nur beobachten, sondern selbst gestalten.
So schlossen sich zehn landwirtschaftliche Betriebe zusammen. Die Idee war einfach, aber wirkungsvoll: Aus Reststoffen und Energiepflanzen unserer Höfe sollte Wärme und Strom für die Region entstehen. Besonders spannend war, dass sich im Industriegebiet von Ense mehrere Betriebe befanden, die viel Wärme benötigten – darunter eine Galvanisierungsanlage und eine Zinkerei. Sie waren ideale Partner, denn sie konnten die Wärme dauerhaft abnehmen.
2) Der richtige Ort – Nähe schafft Effizienz
Frage: Warum fiel die Wahl genau auf diesen Standort im Industriegebiet?
Antwort: Für uns war klar: Biogas macht nur Sinn, wenn wir die erzeugte Wärme sinnvoll nutzen können. Im Industriegebiet in Ense fanden wir die perfekte Kombination – dort stehen Betriebe, die konstant hohe Temperaturen benötigen. Für Prozesse wie die Oberflächenveredelung von Metallen sind Temperaturen um 80 bis 85 °C ideal. Genau das kann ein Blockheizkraftwerk liefern. So war der Standort eigentlich eine logische Entscheidung: kurze Wege, stabile Abnahme und eine enge Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Industrie.
Ich erinnere mich gut an die Anfangszeit – wir haben oft mit den Unternehmen zusammengesessen, Pläne ausgebreitet und überlegt, wie Leitungen verlaufen müssen, damit jeder Betrieb optimal versorgt wird. Es war viel Überzeugungsarbeit, aber auch ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Heute profitieren alle davon: Die Betriebe haben CO₂-neutrale Wärme, und wir können erneuerbare Energie lokal verwerten.
3) Aufbau und Funktionsweise
Frage: Wie sieht die Anlage heute aus?
Antwort: Wir betreiben heute fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) an vier Standorten, alle so platziert, dass sie möglichst nahe an den Wärmesenken liegen. Die Motoren laufen nicht ständig – wir fahren flexibel nach Bedarf und Strompreis. Dadurch können wir Energie genau dann einspeisen, wenn sie gebraucht wird, und speichern Wärme, wenn Überschüsse entstehen.
Der große Wärmespeicher mit 5.000 m³ Volumen ist dabei unser Herzstück. Man kann sich das vorstellen wie einen riesigen, gedämmten Wassertank – tagsüber oder am Wochenende speichern wir Wärme ein, und am Montagmorgen steht sie abrufbereit für die Produktion bereit. Das sorgt für konstante Temperaturen und Versorgungssicherheit, auch wenn ein Motor mal ausfällt.
4) Ultraschall-Technologie – innovative Effizienzsteigerung
Frage: Welche Rolle spielt die Ultrawaves-Technologie bei Ihnen?
Antwort: Die Ultraschallbehandlung ist fast unsichtbar, aber unglaublich effektiv. Sie sorgt dafür, dass die Zellstrukturen der Biomasse aufbrechen – dadurch wird mehr Gas freigesetzt. Das heißt: mehr Energie pro Tonne Substrat, weniger Pumpenverschleiß und eine stabilere Anlage. Diese Technik hat uns geholfen, den Ertrag zu steigern und gleichzeitig die Wartungskosten zu senken.
5) Herausforderungen und Partner
Frage: Gab es beim Bau oder Betrieb besondere Herausforderungen?
Antwort: Herausforderungen gab es viele! Gerade der Aufbau des Wärmenetzes war eine buchstäblich riesige Aufgabe. Zwei bis drei Kilometer Rohrleitung mit großen Querschnitten – das ist nichts, was jeder Heizungsbauer einfach mal eben macht. Hier kam die Hans van Bebber GmbH ins Spiel. Sie hatten Erfahrung mit isolierten Rohrsystemen und konnten die hydraulische Einbindung perfekt umsetzen. Ohne sie wäre das Projekt so nicht möglich gewesen.
6) Energie im Wandel – Flexibilisierung und Zukunft
Frage: Wie hat sich die Arbeit durch die Flexibilisierung verändert?
Antwort: Früher liefen unsere Motoren fast durchgehend. Heute produzieren wir Strom gezielt, wenn er gebraucht wird – etwa bei wenig Wind oder Sonne. Gleichzeitig liefern wir Wärme aus dem Speicher, auch wenn kein Strom erzeugt wird. Diese Entkopplung macht uns flexibel und systemrelevant. Außerdem sind wir auf dem Primär- und Sekundärregelenergiemarkt aktiv, um das Stromnetz zu stabilisieren. In NRW waren wir sogar die erste Anlage, die als ein Block in der Primärregelung präqualifiziert wurde – darauf sind wir schon ein bisschen stolz.
7) Ratschlag für andere Betreiber:innen
Frage: Welche Empfehlung würdest du anderen geben, die ähnliche Projekte planen?
Antwort: Ganz klar: Den Wärmespeicher lieber zu groß als zu klein bauen. Man glaubt gar nicht, wie schnell sich das auszahlt. Heute sind Wärmespeicher die günstigste Form von Energiespeicherung, und mit zunehmender Flexibilisierung wird das noch wichtiger werden. Platz ist der limitierende Faktor – aber wer ihn hat, sollte ihn nutzen.
8) Blick in die Zukunft
Frage: Wie siehst du die Rolle von Biogas in den nächsten Jahren?
Antwort: Wir werden künftig laut EEG nur noch etwa ein Drittel der Zeit Strom einspeisen – aber Wärme liefern wir das ganze Jahr über. Denkbar ist, dass wir unser Gas künftig auch aufbereiten oder zusätzliche Motoren installieren. Biogas kann helfen, Dunkelflauten zu überbrücken, also Zeiten ohne Sonne und Wind. Damit bleibt es ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende – besonders, wenn es so wie bei uns regional erzeugt und genutzt wird.

„Ich bin überzeugt, dass wir spielend bis zu 95 % unserer Energie in Deutschland mit unseren eigenen Ressourcen erzeugen können – und das zu den besten Konditionen. Das ist unsere gemeinsame Vision, und es ist auch technisch machbar; es muss nur umgesetzt werden.“
Andreas Düser
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Wir bedanken uns herzlichst bei Andreas Düser für das ausführliche Interview. Andreas Düser –Geschäftsführer der Enser Biogas GmbH und Co. KG.
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